Montag, 13. November 2017

Buchrezension "Ich bin der Zorn"

(Bildquelle: Bastei Lübbe)
Autor: Ethan Cross
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe
Format: Taschenbuch
Seiten: 495
Kosten: 10,90€

Inhalt:
Mein Zorn ist gewaltig. Er bringt den Tod. Auch dir.
In einer Strafanstalt in Arizona ereignet sich ein blutiger Amoklauf. Scheinbar wahllos erschießt ein Gefängniswärter mehrere Menschen. Zu seinem Motiv schweigt er . Das ruft Bundesermittler Marcus Williams auf den Plan. Rasch findet er heraus, dass der Wärter von einem psychopathischen Killer erpresst wurde, der sich selbst Judas nennt. Um die Identität des Judas-Killer aufzudecken, tut Marcus sich erneut mit seinem Bruder Francis Ackerman jr. zusammen, dem berüchtigsten Serienkiller der Gegenwart: Marcus ermittelt außerhalb der Gefängnismauern, Ackerman jr. undercover unter den Häftlingen. Was beide nicht ahnen: Der Judas-Killer verfolgt weitaus größere Ziele als nur ein paar Morde...


Dies ist der vierte Teil der Reihe. Es wird empfohlen, die vorangegangenen gelesen zu haben. Falls nicht, beinhaltet der folgende Text Spoiler zu den ersten Teilen.

Meine Meinung:
Ich wurde mal wieder einfach nur umgehauen. Ich dachte erst, dass "Ich bin der Schmerz" quasi eine Art Höhepunkt darstellen würde, weil es dort schließlich um die ganzen Familienangelegenheiten ging und Marcus mittlerweile nachvollziehen kann, wie sein Bruder zu dem wurde, der er geworden ist, weil es ihm am eigenen Leib widerfahren war. Das schöne ist einfach, dass es gar keinen Höhepunkt geben muss. Es ist die Zeit nach der Krise und wie das Leben mit einem Serienkiller als Bruder und einer verkorksten Beziehung zur Freundin und zum eigenen Sohn funktionieren könnte. Und das ist mindestens genauso spannend.
Ich fand es richtig gut, dass es am Ende mancher Kapitel einen Tagebucheintrag des Killers gab, in dem seine eigene Geschichte erzählt wurde. Warum er der ist, der er nun mal ist. Das kam zu dem bereits gewohnten Perspektivenwechsel dazu, den ich immer noch sehr interessant finde und der es um einiges lesenswerter macht.
Außerdem war es spannend zu sehen, wie Marcus damit zurecht kommt, dass er von seinem Vater gefoltert wurde und sich plötzlich wieder um Familie kümmern muss. Dass er einen Sohn hat, von dem er vor nicht allzu langer Zeit noch nichts wusste, zumal dieser ebenfalls von Francis Ackerman sr. beeinflusst wurde. Er muss also irgendwie versuchen, sein eigenes Trauma zu verarbeiten, mit seinem Killer-Bruder klar zu kommen, seinen Sohn auf die richtige Spur zu bringen und auch noch eine Beziehung zu Maggie aufrecht zu erhalten. Alles absolut nicht so einfach, was sich bei ihm bemerkbar macht.
Ich habe mit der Zeit Marcus und Ackerman jr. so sehr ins Herz geschlossen, dass die beiden sogar für mich unzertrennlich wurden und auch einfach dazu gehören. Man merkt zwar immer wieder, dass Ackerman etwas speziell ist, aber er ist trotzdem irgendwie liebenswert und auch ich gebe ihm eine zweite Chance, seine Fähigkeiten weiterhin für das Richtige zu verwenden. Durch ihn sind nun mal andere Ermittlungsmethoden möglich, die einen furchtbar weit bringen können.
Dieses mal war ich wohl manchmal etwas irritiert, weil ich die Zusammenhänge dann nicht ganz verstanden hatte, aber das gab sich später wieder, als alles aufgeklärt wurde.
Wie auch im vorherigen Teil erkannte man hier wieder einmal, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen. Vor allem aber, dass man nicht in den Kopf eines Menschen gucken kann, was umso erschreckender ist. Jemand gibt vor, ein toller Mensch zu sein und man kauft ihm das sogar ab, aber im Endeffekt könnte er trotzdem ein  Mörder sein.
Ich finde es faszinierend, wie sich der Autor jedes mal eine neue Art und Weise ausdenkt, wie die Mörder handeln. Es wird einfach nicht langweilig und die Möglichkeiten sind schier endlos. Aber erst einmal auf solche Ideen zu kommen finde ich schon schwierig genug.
Aber auch der Handlungsort war dieses mal sehr interessant gewählt. Ein Gefängnis, ausgestattet mit sehr viel Technologie und äußerst geringem Personal im Vergleich zu anderen. Was nicht für jeden einen Fortschritt bedeuten würde. Ich finde, dass man sehr deutlich erkennen kann, wie die Technologie zwar für einen guten Zweck verwendet werden kann, aber auch andersherum Arbeitsplätze nicht mehr benötigt werden. Und dass sie aus Fehlern bestehen kann, da Menschen sie konstruieren und diese sehr weit weg von Perfektion sind.
Die Beschreibungen der Orte, nicht nur des Gefängnisses, sind wieder einmal sehr gut gelungen. Ich wurde erneut an Orte geführt, die den kranken Plänen eines Mörders dienen sollten und fühlte mich ins Geschehen verfrachtet, direkt an die Seite der jeweiligen Personen, um die es in den Abschnitten ging. Sie wurden lebendig und ich war ein stiller Beobachter der Szenerie.

Mein Tipp:
Der Autor bleibt seinem Schreibstil weiterhin treu, wodurch es gut lesbar ist und man sich neben den Figuren stehen sieht, jedoch immer einen Einblick in ihr Inneres bekommt. Es ist und bleibt spannend und interessant und man fiebert wirklich mit, immer mit dem Gedanken daran, wer denn jetzt der Gesuchte sein könnte. Ich finde dieses Buch lesenswert und den Autoren einfach genial.
Es wird nächstes Jahr ein neues Buch erscheinen mit dem Titel "Ich bin der Hass". Ich freue mich jetzt schon darauf!

Montag, 6. November 2017

Buchrezension "Ich bin der Schmerz"

Autor: Ethan Cross
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe
Format: Taschenbuch
Seiten: 430
Kosten: 10,99€

Inhalt:
Ich bin ein Zerstörer. Ich fühle mich nur lebendig, wenn ich anderen Schmerz zufüge. Großen Schmerz.
Die Medien nennen ihn den "Anstifter", und das Spiel, das er spielt, ist besonders perfide: Zuerst entführt er die Familie eines völlig unbescholtenen Mannes, bevor er diesem befiehlt, einen anderen unbescholtenen Mann zu töten. Weigert sich der Erpresste, werden seine Lieben ermordet. Nur der ehemalige Polizist Marcus Williams kann den Killer zur Strecke bringen. Auf der Jagd erhält Marcus Hilfe von seinem Bruder, den Serienkiller Francis Ackerman junior. Denn dieser weiß, wer hinter dem Anstifter steckt: sein Vater. Der, der ihn zu dem gemacht hat, was er ist: dem absolut Bösen...


Hier empfiehlt sich tatsächlich, die ersten beiden Teile zu lesen, da man meiner Meinung nach sonst zu viel verpassen würde. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie schon gelesen wurden. Falls nicht, sollte man sich überlegen, weiterzulesen, weil sonst gespoilert wird.

Meine Meinung:
Ich wurde einfach mal wieder total gefesselt und überrascht. Vor allem der Einstieg in das Buch ging schnell und unerwartet.
Es herrscht hier ein gewaltiger Unterschied zu den vorherigen Fällen vor: Wie schon der Inhalt zeigt, kennt man bereits den Täter. Und nur Marcus' Bruder kann ihm hier helfen, da er die "Handschrift" des Killers kennt. Durch seine jahrelangen Erfahrungen als Versuchskaninchen weiß er nur zu gut, wie ihr gemeinsamer Vater tickt. Dennoch ist es nicht so leicht, ihn zu fangen. Irgendwoher hat Ackerman junior schließlich seinen Perfektionismus bezüglich der Tarnung und des Beseitigens von Beweisen. Und gerade dieses Katz und Maus Spiel macht es furchtbar interessant. Vor allem ist es mal wieder faszinierend, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen.
Ich fand es wohl ziemlich erschreckend, wie schnell sich Marcus daran gewöhnt hat, dass Ackerman junior sein Bruder und senior sein Vater sind. Er nennt sie auch schon so. Ich persönlich würde es schwer finden, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass mein Bruder und mein Vater eigentlich totale Irre sind, die sich am eigenen Schmerz und an dem von anderen laben. Die Menschen beinahe schon aus Leidenschaft umbringen. Wobei ich auch sagen muss, dass Marcus ebenfalls nicht ganz so begeistert davon ist, zumal sich manchmal die Zusammenarbeit mit Ackerman junior als etwas schwierig erweist.
Dennoch bin ich wieder einmal furchtbar froh darum, dass Junior wieder dabei ist. Erneut zeigt er seine sympathischen und auch irgendwie witzigen Züge, die mich, wie auch vorher schon, total zum schmunzeln gebracht haben. Vor allem ist es sehr interessant zu sehen, wie ein Killer versucht, für die Guten zu arbeiten. Dadurch hat man ganz andere Einblicke in die Fälle und Möglichkeiten, die andere Seite besser zu verstehen oder zumindest die Schritte nachzuvollziehen.
(Bildquelle: Bastei Lübbe)
In gewohnter Weise wird die Spannung aufgebaut und die Neugier angeregt. Ebenfalls sind die Kapitel wieder relativ kurz gehalten mit dem Effekt "das lese ich jetzt aber noch schnell", vor allem, weil auch hier am Ende eines jeden Kapitels Spannung und Neugier erzeugt wird. Diese Methode wird aber auch nicht langweilig. Sie erfüllt immer wieder ihren Zweck.
Es gab viele Stellen, die mich sehr überrascht haben, weil ich damit absolut nicht gerechnet hatte. Umso mehr wollte ich erfahren und weiterlesen. Zumal man auch immer mal wieder mehr Informationen über die Geschichte von den Ackermans erfährt, die Antworten auf einige Fragen enthält. Am schlimmsten ist die hautnahe Erfahrung der Grausamkeit Seniors, die einen selbst sogar fast zur Verzweiflung bringt.
Das Ende ist bis zum letzten Punkt einfach nur spannend und vor allem rechnet man einfach überhaupt nicht mit dem, was dort passiert. Es hat alles ein bisschen abgerundet und in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Mein Tipp:
Ich kann nicht mehr dazu sagen, weil ich nicht mehr sagen kann als: unbedingt lesen. Spannung, Neugier, Überraschung und Verzweiflung haben die perfekte Mischung. Ich habe dieses Buch verschlungen, es war sehr interessant und der Autor trifft mit seinem Schreibstil direkt ins Schwarze. Bei Büchern mit Mördern und Ermittlern bin ich mittlerweile vorsichtig, weil sich zunächst alles gleich anhört. Hier jedoch absolut gar nicht, es ist anders als diese typischen Kriminalfälle, was es umso lesenswerter macht.

Montag, 30. Oktober 2017

Buchrezension "Ich bin die Angst"

Autor: Ethan Cross
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe
Format: Taschenbuch
Seiten: 556
Kosten: 9,99€

Inhalt:
Ich wurde ohne Seele geboren. Deshalb werde ich deine rauben. Es wird wehtun.
Der "Anarchist", ein mysteriöser Killer, verbreitet in Chicago Angst und Schrecken. Er trinkt das Blut seiner Opfer, bevor er sie anzündet. Schlimmer noch: Er zwingt sie, ihm dabei unentwegt in die Augen zu schauen. Denn sie sollen sein wahres Gesicht sehen. Nicht das Gesicht des liebevollen Ehemannes und Vaters, das er seit Jahren für seine Familie aufsetzt, sondern das Gesicht des absolut Bösen. Um den Anarchisten zur Strecke zu bringen, muss Marcus Williams von der Shepherd Organization sich ausgerechnet an seinen Todfeind wenden: Francis Ackerman junior, den berüchtigsten Serienkiller der Gegenwart.

Meine Meinung:
An sich fand ich den Nachfolger von "Ich bin die Nacht" wirklich gut. Es wurde sich teilweise auf den ersten Teil bezogen, aber nicht zu sehr, sodass man auch den zweiten Teil gut einzeln lesen könnte.
An manchen Stellen fand ich es irgendwie schade, dass sie spannend hätten werden können, aber es nicht wurden, weil viel zu viel drumherum erzählt wurde und dadurch die Spannung abgeklungen war. Allerdings war es nicht immer so, denn vor allem am Ende eines jeden Kapitels schafft es Ethan Cross, mich nochmal zu fesseln und mit den letzten Sätzen die Neugier anzustacheln, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Vor allem die kurzen Kapitel lassen einen denken, dass man das ja noch schnell lesen könne. Dann wechselt auch noch die Figur und schon hat man viel mehr gelesen, als man wollte, weil man eigentlich noch andere Dinge machen müsste.
Ein Spannungsaufbau fand trotzdem statt, vor allem spürt man auch, wie angespannt die Figuren werden. Das übertrug sich auch auf mich.
(Bildquelle: Bastei Lübbe)
Ich finde aber auch vor allem die Art und Weise super gelungen, dass man aus wirklich jeder Perspektive etwas mitbekommt, sogar vom Mörder selbst. Dadurch hat man einfach viel schneller einen Einblick in die Beweg- und Hintergründe einer jeden Figur. Und die ganzen Beziehungen untereinander werden durchsichtiger. Vor allem finde ich die Perspektive des Killers am interessantesten, weil es spannend ist zu erfahren, wie er sich selbst und alle anderen wahrnimmt. Man kann dann erkennen, dass er neben seiner boshaften Art auch anders sein kann.
Ich fand es wohl immer wieder überraschend, was alles so ans Tageslicht gekommen ist, womit ich einfach niemals gerechnet hätte. Vor allem die Genialität hinter manchen Köpfen war genauso überraschend. Egal, ob gutes oder böses Genie.
Ich fand auch super, dass immer wieder das Datum zu sehen war, damit man auch ein Gefühl dafür bekommt, wie lange die Ermittlungen überhaupt dauern. Es passiert einfach so viel an einem Tag, dass wenn das nicht da stehen würde, man denken könnte, es wäre viel mehr Zeit vergangen.
Marcus hat sich meiner Meinung nach wohl sehr starkt verändert. Wenn ich den ersten Teil nicht gelesen hätte, hätte ich nicht gedacht, dass er wirklich schon eine Familie hatte. Vor allem aber finde ich am besten, dass Ackerman nicht verschwunden ist. Auch wenn er komisch ist und seine Aktionen fragwürdig, mag ich ihn einfach total. Er hat sympathische Züge an sich und ich musste oft genug schon über ihn schmunzeln, weil manche Bemerkungen einfach zu lustig sind.

Mein Tipp:
Die Handlung ist interessant, die Figuren sind wieder schön gestaltet und vor allem toll ist, dass Marcus und Ackerman zusammen sich quasi wie ein roter Faden durch beide Bücher ziehen. Der Perspektivwechsel macht alles ziemlich interessant und außerdem wird es aufbauend immer spannender, was einer der Gründe ist, weiterlesen zu wollen. Und das Ende ist überraschender als alles andere und man will unbedingt wissen, ob die aufkommenden Fragen auch gelöst werden können. Einfach nur JA!

Freitag, 27. Oktober 2017

Buchrezension "DREAM ON - Tödliche Täume"

(Quelle: Feuerwerke Verlag)
Autor: Nikolas Stoltz
Genre: Thriller
Verlag: Feuerwerke
Format: eBook
Pos.: 7093
Kosten: 2,99€

Inhalt:
Träumen per Knopfdruck! Die US-Firma DREAM ON hat eine vernetzte, virtuelle Traumwelt entwickelt, die sich absolut lebensecht anfühlt. Doch über das Unternehmen legt sich ein dunkler Schatten. Die Träumenden werden von ihren schlimmsten Ängsten heimgesucht und grausam gefoltert. Der Traumdesigner Nick Quentin vermutet ein Virus im System und folgt der Spur durch die künstliche Welt. Doch damit gerät er selbst ins Visier eines skrupellosen Gegners, der ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Eine gnadenlose Treibjagd zwischen Traum und Realität beginnt...

Nick Quentin erlangt bei DREAM ON eine Arbeitsstelle als Traumdesigner. Kaum zu glauben, aber wahr: diese Firma ist in der Lage, Menschen bewusst träumen zu lassen. Man kann selbst handeln und ist kein Opfer seines Unterbewusstseins.
Die Markteinführung und der große Erfolg stehen kurz vor der Tür, denn wer würde bei so einer Möglichkeit schon Nein sagen? Jedoch verursacht etwas oder jemand enorme Probleme und gefährdet damit den geplanten Start. Nick gerät zwischen die Fronten und versucht, in den zwei Welten nach Hinweisen zu suchen, die den Fall aufklären können. Und setzt damit sein Leben aufs Spiel.

Meine Meinung:
Ein bisschen hatte mich das an den Film Inception erinnert, aber auch nicht allzu sehr. Bzw. war es auch gar nicht so schlimm. Ansonsten war die Grundidee des Buches für mich neu, was ich sehr begrüßt habe. Auch das Lösen des Falls war eine schöne Alternative zu den normalen Ermittlern, die man einfach in jedem zweiten Buch vorfindet.
Ich konnte mir auch wirklich gut vorstellen, wie die Firma aufgebaut ist. Sie bildet vor allem einen großen Kontrast zu dem Standort, wo sie aufgebaut wurde, was ich sehr interessant finde. Manchmal gab es aber Beschreibungen, mit denen ich nicht ganz so viel anfangen konnte. Wobei ich nicht weiß, ob es an der Beschreibung an sich lag oder daran, dass ich mir das generell nur schwer vorstellen konnte, weil es futuristisch war.
Der Spannungsaufbau war da, aber nicht in den kritischen Situationen an sich, sondern indirekt durch das Voranschreiten der Geschehnisse und das Zuspitzen der Ereignisse. Es wurden immer mehr Fragen aufgeworfen und beinahe wie eine Explosion am Ende freigesetzt, die mich aber unendlich erleichtert hat. Jedoch blieben auch einige noch offen, die hoffentlich dann im zweiten Teil aufgedeckt werden, wenn es den geben soll. Es waren für mich auch eindeutig zu wichtige Dinge, die ich jetzt unbedingt noch wissen will.
Anfangs war es etwas schwer, der Figurenkonstellation zu folgen. Wer welche Stellung in der Firma hat und und und. Aber nach einiger Zeit hat sich das auch gelegt und ich konnte der Handlung ganz normal folgen, ohne immer rekapitulieren zu müssen, wer nochmal diese besagte Person war.
Ebenfalls schwierig fand ich teilweise die Verknüpfungen in dem Fall, weil doch alles sehr vernetzt war. Aber auch das legte sich. Nur konnte ich manchmal nicht nachvollziehen, wie man ausgerechnet auf die eine Person kam. Zwar wurde das auch alles erklärt, aber im ersten Moment war ich dann doch etwas überrascht. Doch sowas gehört natürlich auch dazu und außerdem wurden die eigenen Gehirnzellen angestrengt, um zum Beispiel der Komplexität des Virus folgen zu können.
Die Handlungen und Züge der Figuren waren für mich sehr nah am realen Leben, sowas wie Korruption, Geldgier, unbegründeter Hass und noch vieles mehr. Das hat alles sehr anschaulich gemacht. Generell waren die Figuren gut ausgearbeitet. Vor allem gibt es auch da große Überraschungen und ich finde sehr interessant, wie sehr man sich in Menschen irren kann, auch wenn sie "nur" in Büchern existieren. Und auch wenn einige echt super unsympathisch waren, hat es nur ein einziger auf meine Abschussliste geschafft. Steve Baker, der totale Macho, der sich nur darum kümmert, dass Fälle auf die einfachste Art und Weise aufgelöst werden und sich nicht darum kümmert, dass auch wirklich der wahre Täter gefasst wird. Hauptsache die Anweisungen von oben werden befolgt.
In kritischen Zeiten sieht man dann aber auch wirklich das wahre Gesicht der anderen. Man erkennt, wer auf welcher Seite steht und wer wen unterstützt oder nicht. Vor allem aber, wer sich für das Richtige entscheidet. Wobei man auch immer vorsichtig sein muss, wem man traut, was Nick auf eigene Art und Weise merken musste.

Mein Tipp:
Für mich war die Idee neu und erfrischend. Außerdem war es im Endeffekt doch komplexer, als ich anfangs vermutet hätte. Dinge, die man auch im realen Leben findet, kann man hier in gut verarbeiteter Weise wiederfinden und wird meiner Meinung nach auch nicht enttäuscht. Ganz toll fand ich, wie man selbst sogar an der Nase herumgeführt wird und das eigene Gehirn benutzen musste, um ein bisschen mitraten zu können. Trotz der Schwierigkeiten zwischendurch, die gut behoben wurden, konnte ich der Handlung super folgen und es war und blieb spannend. Die Figuren waren schön ausgearbeitet und wie aus der Realität hervorgeholt. Ich kann es nur empfehlen und freue mich auf einen nächsten Teil!

Donnerstag, 27. Juli 2017

Buchrezension "Die dunklen Wächter - Sanfter Mond"

Autorin: Rachel Hawthorne
Genre: Roman
Verlag: Goldmann Fantasy
Format: Taschenbuch
Seiten: 256
Kosten: 8,99€

Inhalt:
Er ist es, meine große Liebe, mein Seelenverwandter - mein Schicksal...
Beim nächsten Vollmond wird sich Lindsey zum Werwolf verwandeln, ihr Schicksal scheint besiegelt. Sogar ihr Partner fürs Leben steht bereits fest: Connor, der von ihren Eltern, den mächtigsten Mitgliedern des Werwolfclans der dunklen Wächter, dazu bestimmt wurde. Aber damit will Lindsey sich nicht zufrieden geben. Sie mag Connor, doch jedes Mal, wenn sie Rafe sieht, erwachen in ihr Gefühle, die sie für Connor nie hatte. Wird sie ihr Schicksal herausfordern können?

Meine Meinung:
Ich habe tatsächlich erst im Nachhinein erfahren, dass dies der zweite Teil einer Trilogie ist. Ich bin aber sehr angenehm überrascht, dass man diesen hier auch einfach so lesen kann. Wenn Informationen vonnöten sind, werden sie von Lindsey auch gegeben. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt.
Lindsey ist meiner Meinung nach zu zweifelhaft. Ich mochte sie, das auf jeden Fall, aber sie macht sich selbst durch ihre ständigen Zweifel einfach zu viel Stress. Zumindest, was persönliche Dinge angeht. Bei anderen Sachen sind die Zweifel angebracht und ihr Werwolfinstinkt scheint immer weiter aus ihr zu sprechen.
Connor ist so eine Mischung aus mag ich und mag ich nicht, es gibt gewisse Punkte an ihm, die mich stören, aber andere, die ich wieder gut heißen muss. Wobei er das genaue Gegenteil zu Rafe bildet, der eher der Drauf- und Einzelgänger ist mit einer schweren Vergangenheit, während Connor alles in die Hände zu fallen scheint. Rafe ist irgendwie sehr typisch gestaltet. Eben der, der immer richtig cool rüber kommt, alles lieber alleine macht und als Bad Boy mysteriös wirkt. Dadurch, dass beide so gegenteilig beschrieben sind, wirkt es wieder wie eine typische Auseinandersetzung zwischen dem Schnösel, den die Eltern natürlich besser finden, und dem Bad Boy, vor dem die Eltern immer gewarnt haben.
Die Eltern von Lindsey fand ich zunächst sehr anstrengend und furchtbar, am Ende musste ich mich aber doch von ihnen überraschen lassen.
Die anderen Charaktere sind mir auch alle ans Herz gewachsen. Vor allem der Einsatz füreinander hat mich berührt, auch wenn es unter Wölfen normal ist.
Die Story an sich war mir irgendwie zu kurz. Ich hatte das Gefühl, die Handlung passiert nur nebenbei, die Emotionen von Lindsey und das Hin und Her stehen im Vordergrund. Dabei finde ich, dass beide Stränge gut parallel laufen sollten, ohne dass eines überwiegt. Es geht schließlich eigentlich um die Erhaltung des Wolfclans, was eine große Rolle spielt. Aber stattdessen ist der Streit um Lindsey ganz vorne. Das hat mich dann schon etwas gestört, weil der "Krieg" einfach nur beiläufig geschieht.
Das Ende war dann fast schon irgendwie so, wie man es erwartet hatte. Und meiner Meinung nach auch nicht ganz so einführend bzw. weiterleitend, wie man denken würde, wenn man weiß, dass es noch eine Fortsetzung gibt.

Mein Tipp:
Jaein. Ich finde Geschichten über Werwölfe meistens eh sehr interessant, deswegen ein klares Ja von mir. Meistens liest man von Werwölfen UND Vampiren oder nur eben diesen, aber ich habe selten ein Buch in der Hand, das nur von Werwölfen handelt. Oder ich habe bisher noch nicht genug recherchiert, kann auch sein.
Andersherum finde ich es irgendwie schon zu typisch, dass sie sich zwischen zwei Menschen entscheiden muss, die das genaue Gegenteil voneinander sind. Und dass sie sich aus den falschen Gründen an einen der beiden bindet. Und dass ein Krieg bevorsteht, der einfach zu stark aus den Augen verloren wird. Ja, die Entscheidung ist wichtig für Lindsey, dennoch steht das Überleben auf dem Spiel.
Einen Fehler macht man meiner Meinung nach dennoch nicht, wenn man mehr über Werwölfe lesen möchte und ein kleiner Spritzer Romantik auch vorhanden sein darf.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Buchrezension "Die Dämonen der Nacht"

Autorin: Catherine Webb
Genre: Roman
Verlag: EditionNova
Format: Taschenbuch
Seiten: 320
Kosten: 15,66€ (Originalausgabe, meine habe ich nirgends gefunden und irgendwann einmal als Mängelexemplar gekauft)
Originaltitel: Mirror Wakes
Originalsprache: Englisch

Inhalt:
Der Magier Laenan Milan herrscht über das winzige Land Sturmkap und wird von Lisana, der Königin von Haven und Herrscherin über das Land der Träumer, zum Leiter des Silberhand-Konsortiums ernannt. Als er erfährt, dass der König von Sonnenkap zu Tode gekommen ist, sorgt er sich auch um das Leben der Königin. Denn eine Serie mysteriöser Todesfälle erschüttert das Land der Träumer.
Laenan Milan leitet Untersuchungen der Todesfälle in die Wege, und schon bald mehren sich die Anzeichen eines Komplotts um den Thron von Haven.

Meine Meinung:
Zuallererst zum Klappentext: Nein, er sorgt sich nicht um das Leben der Königin. Er wird quasi dazu gezwungen, dass er für sie arbeiten soll. Die Königin und Laenan können sich nicht ausstehen, wie man schon direkt zu Anfang merkt. Er hat andere Beweggründe für den Schutz der Königin.
Ich fand es am Beginn etwas sehr anstrengend, zu verstehen, worum es überhaupt geht. In welcher Welt man sich befindet. Zur Aufklärung: Es ist die Welt der Träume, die für die Bewohner so real ist wie für uns die Erde. Es gibt verschiedene Länder bzw. Städte, die verschiedene Themenbereiche haben. Sturmkap zum Beispiel ist der Traum des Sturmes, Sonnenkap der Traum der Wüste usw. Wir Menschen können in diese Welten gelangen und wandern, während wir träumen, darin umher. Dann gibt es zwischen diesen Städten auch eine Leere, vergleichbar wie Landstraßen. Dort gibt es keine Häuser, einfach ein schwarzes Nichts, durch das man wandern kann, um zu anderen Städten zu gelangen. Das ist das Grundlegende.
Laenan Milan ist der Held, von dem jedermann redet und aus dessen Sicht auch erzählt wird. Er ist ein Magier, der quasi der Besitzer von Sturmkap ist. Ich konnte mich teilweise gut in ihn hineinversetzen und Handlungen verstehen, aber manchmal konnte ich seinen Gedankengängen nicht folgen, die zur Lösung des Falls beitragen sollten.
Alle anderen Figuren waren halt einfach da. Ich habe keinem hinterhergetrauert oder habe großartig mitgefiebert. Es gab nur einen einzigen, bei dem ich wirklich Emotionen gezeigt hatte. Obwohl eigentlich sehr viele Personen auftauchen. Das fand ich sehr schade.
Dennoch war die Handlung gut. Es war eine komplett neue Welt für mich. Ich wäre glaube ich nie auf die Idee gekommen, dass die Träume wirklich eine eigene Realität sein könnten, in denen die Bewohner von der Erde träumen so wie wir von ihnen. Es gab zwar keine große Spannung meiner Meinung nach, aber die Neugier hat mich immer wieder gepackt. Spannung war erst ziemlich zum Schluss bemerkbar, als die große Auflösung kommen sollte. Kurz vor dem Epilog wurde es richtig interessant. Der Epilog selber war irgendwie platt. Es wurden dann noch Dinge erklärt, die vorher passiert sind, was auch an sich gut war, aber ich hätte irgendwie trotzdem mehr erwartet als das.
Ich finde es irgendwie sehr traurig, dass ich eben nicht so einen Draht zu alldem hatte. Ich konnte mir zwar die ganzen Orte und Handlungen gut vorstellen, die waren wirklich super und vor allem interessant beschrieben und gestaltet, aber trotzdem fehlte mir der Verlust, den man am Ende eines guten Buches spürt, weil etwas schönes nun zu Ende ist.

Mein Tipp:
Ja und Nein. Ich bin etwas hin und her gerissen, weil ich zwar die Handlung vor allem gen Schluss hin immer besser und interessanter fand, andererseits mich nichts emotional wirklich berührt hat. Vielleicht findet jemand anderes einen besseren Zugang zu den Figuren und generell dem Roman als ich.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Buchrezension "Luna"

Autorin: Julie Anne Peters
Genre: Roman
Verlag: Little, Brown Books for Young Readers
Format: Taschenbuch
Seiten: 248
Originalsprache: Englisch
Kosten: 10,99$ bzw. knapp 10€

Inhalt:
For anyone who has ever felt invisible.

"Luna," she repeated softly, more to herself than me. "Appropiate, wouldn't you say? A girl who can only be seen by moonlight?"
Rolling over, I muttered, "You're such a freakshow."
Her hair splayed across my pillow, tickling my face. "I know," she murmured in my ear. "But you love me, don't you?"
Yeah, I loved her. I couldn't help it. She was my brother.

Meine Meinung:
Es ist so ein wundervoller und emotional geladener Roman, der aktuelle Themen aufgreift und die Gesellschaft kritisiert, die ständig vorgibt, tolerant und fortgeschritten zu sein.
Liam, Lia-Marie und Luna sind ein und dieselbe Person. Liam wurde als Junge geboren, obwohl er sich nicht als so einer fühlt. Er bemerkt schon sehr früh, dass mit ihm etwas nicht stimmt und er lieber wie seine Schwester sein will. Der tägliche Kampf, jemand sein zu müssen, der man nicht sein will, reißt ihn hin und her. Nachts entwickelt sich Liam zu Luna, wie sie sich jetzt nennen möchte. Und gerade diese Figur macht eine große Entwicklung im Laufe der Handlung. Eine sehr erfreuliche in meinen Augen. Seine/ihre Schwester Regan entwickelt sich ebenfalls stark. In positive Art und Weise, wie ich finde. Das Band zwischen den beiden merkt man auf jeder Seite, auch wenn Regan sich sehr oft darüber auslässt, dass sich alles ständig nur um Luna dreht. Dennoch unterstützt sie sie, wo sie nur kann.
Regan ist eine Einzelgängerin, die eher die typische Rolle eines großen Bruders einnimmt: Die Schwester muss beschützt werden. Es zeigt aber auch, wie viel Regan an Liam/Luna liegt, da sie nur möchte, dass es ihm/ihr gut geht. In beiden Geschlechtern. Regan weiß aber dennoch manchmal nicht, wie sie ihren Bruder ansprechen soll, sie wechselt immer wieder zwischen Er und Sie. Sie kommt daher selbst durcheinander. Vor allem aber, weil die Transformation in das wahre Ich nur bei Nacht geschieht, während am Tag Liam zum Vorschein kommt. Die Rolle, die gespielt wird, damit keine Beleidigungen in Stürmen von allen Seiten hageln, vor allem von Seiten der eigenen Familie.
Regan beschwert sich, wie bereits erwähnt, oft darüber, dass es immer nur um Luna gehen würde. Ihr ganzes Leben drehe sich immer nur um sie. Und im nächsten Moment besinnt sie sich wieder eines Besseren und ist sofort wieder für sie da, sobald Luna sie wieder mit ihren Sorgen überschüttet. Ich kann beide Seiten verstehen. Sowohl Regan, die auch einmal nicht daran denken möchte, was wohl passieren könnte, wenn irgendwer etwas von diesem Geheimnis erfährt, als auch Luna, die einfach nicht mehr damit leben möchte, dass sie sich ständig verstecken muss.
Dabei spielt das Unverständnis der Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle. Die Befürchtung, von anderen gemobbt zu werden, ist natürlich sehr groß. Vor allem der Verstoß aus der eigenen Familie. An den Reaktionen der anderen bemerkt man, dass Menschen doch nicht so tolerant sind, wie sie immer vorgeben zu sein. Was sehr traurig ist, denn gerade diejenigen, die einen großen Wandel vollziehen und einfach nur sie selbst sein wollen, brauchen am meisten Unterstützung. Doch der Roman zeigt, dass man die nicht immer bekommt und nicht immer erwarten kann.
Gerade in der Familie ist es super wichtig. Doch bei den Eltern von Regan und Luna merkt man sofort, dass man bei den beiden nicht damit rechnen kann. Die Mutter hat zwar auch ihren Traum erfüllt und arbeitet wieder, doch interessiert sie sich kaum noch für die Familienangelegenheiten. Stattdessen hängt sie lieber am Telefon und in der Arbeit. Dabei sollte die Familie immer an vorderster Stelle stehen. Der Vater denkt in Stereotypen. Er will unbedingt, dass Liam auch wirklich Dinge macht, die typisch für Jungs sind, und Regan eben das, was typisch für Mädchen ist. Haushalt zum Beispiel. Er zwingt beide in ihre Rollen, die er erwartet. Wodurch Liam sich noch unwohler fühlt und beide ganz genau wissen, dass die Eltern niemals von Luna erfahren dürfen.
Man erkennt, dass noch ein sehr großer Aufklärungsbedarf besteht, damit Menschen anderen mit Toleranz begegnen und einen nicht schräg anschielen, wenn man aus den stereotypischen Rollen schlüpft. Anderssein ist scheinbar immer noch ein wichtiger Punkt, der nicht grundsätzlich auf Verständnis stößt.

Mein Tipp:
Ich habe einen besseren Einblick in die Gefühlswelt eines Transgender bekommen. Den Kampf, den man jahrelang mit sich selbst führt. Und dass gesellschaftliche Toleranz noch gewisse Grenzen besitzt, die aufgebrochen werden sollten. Es werden brisante und aktuelle Themen beschrieben auf eine sehr emotionale und dramatische Art und Weise. Ich kann den Roman wirklich nur empfehlen.